Auf Vorschlag der Leitung des AK Notfallmedizin wurde die AG Zentrale Notaufnahme vom DGAI Präsidium zum DAC 2011 auf den Status "Komission" aufgewertet.
Weitere Informationen: http://www.dgai.de/07_2_01_kommission_zentrale-notaufnahme.htm

Qualifikation des ärztlichen Personals in der zentralen Notaufnahme – Eine Zusatzweiterbildung als Modell für die Zukunft!
B. Kumle 1; A. Gries2
für die Arbeitsgruppe Zentrale Notaufnahme des wissenschaftlichen Arbeitskreises Notfallmedizin der DGAI*
 
1)Interdisziplinäre Notaufnahme/ Aufnahmestation, Schwarzwald-Baar Klinikum GmbH, Villingen-Schwenningen
2)Zentrale Notaufnahme, Klinikum Fulda gAG

 
*AG Zentrale Notaufnahme des Arbeitskreises Notfallmedizin der DGAI
 

Dr. med. A. Dauber Chefarzt Klinik für Notfallmedizin und Zentrale Notaufnahme mit Aufnahmestation, Klinikum Kassel
Prof. Dr. med. A. Gries Direktor Zentrale Notaufnahme/ Notaufnahmestation Universitätsklinikum Leipzig
Dr. med. M. Helm Leiter Sektion Notfallmedizin, Abteilung für Anästhesiologie & Intensivmedizin, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
Dr. med. T. Keil Chefarzt Interdisziplinäre Notaufnahme/Aufnahmestation, Klinikum am Bruderwald Sozialstiftung Bamberg
Dr. med. G. Kremers Sektion Notfallmedizin, Abteilung für Anästhesiologie & Intensivmedizin, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
Dr. med. B. Kumle Ärztlicher Leiter Interdisziplinäre Notaufnahme/ Aufnahmestation, Schwarzwald-Baar Klinikum GmbH, Villingen-Schwenningen
Dr. med. W. Schmidbauer Abteilung Notfallmedizin und Rettungsdienst, Bundeswehrkrankenhaus Berlin
Dr. med. M. Zimmermann Ärztlicher Leiter Interdisziplinäre Notaufnahme, Universitätsklinikum Regensburg
Dr. med. P. Wilke Chefärztin Zentrale Notaufnahme Klinikum Franfurt/Oder

 
Korrespondierender Autor:
 
Prof. Dr. A. Gries
Sprecher der AG Zentrale Notaufnahme
des Arbeitskreises Notfallmedizin der DGAI
Zentrale Notaufnahme
Ärztlicher Leiter Zentrale Notfallaufnahme/Notaufnahmestation
Universitätsklinikum Leipzig

Liebigstraße 20
04103 Leipzig
Tel.: 0049 341 9717800
Fax.: 0049 341 9717809
andre.gries@medizin.uni-leipzig.de


Einleitung

Die klinische Notfallmedizin ist in den letzten fünf Jahren zunehmend in den Fokus des Interesses von Krankenhausträgern, Rettungsdienstorganisationen, der Politik und den Fachgesellschaften gerückt. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Zahl von zentralen und interdisziplinären Notaufnahmen hier zu Lande, wurde dabei die Frage nach der Qualifikation des ärztlichen Personals zum Teil äußerst kontrovers diskutiert [1,2,4,7,8].

Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe mit Vertretern aller Deutschen Fachgesellschaften mit relevantem Anteil an Notfallpatienten hat sich 2009 der Thematik angenommen und zur Struktur von zentralen Notaufnahmen (ZNA) Stellung genommen [6]. Neben Forderungen zu Organisation und Struktur wird insbesondere Stellung genommen zur Qualifikation des in der ZNA eingesetzten ärztlichen Personals und der der ärztlichen Leitung. Ein separater Facharzt für Notfallmedizin wird abgelehnt, auf die Notwendigkeit einer (Mindest-) Qualifikation, die von den Fachgesellschaften weiter zu definieren ist, wird hingewiesen.

 
AG Zentrale Notaufnahme

Die AG Zentrale Notaufnahme des wissenschaftlichen Arbeitskreises Notfallmedizin der DGAI wurde im Oktober 2009 deshalb von den Präsidien der DGAI und des BDA beauftragt, sich dieser Thematik weiter anzunehmen und eine mögliche Zusatzqualifikation zu entwickeln und vorzuschlagen [3]. Die mit in Notaufnahmen in Deutschland überwiegend in leitender Funktion tätigen Anästhesisten besetzte Arbeitsgruppe hat sich dieser Aufgabe angenommen und Ende 2010 einen entsprechenden Entwurf wiederum den Präsidien der DGAI und des BDAs vorgelegt.

Zusatzqualifikation Zentrale Notaufnahme

Ziel der AG Zentrale Notaufnahme war es daher unter Berücksichtigung nationaler und europäischer Initiativen, vor dem Hintergrund des Interesses der in der ZNA tätigen Kolleginnen und Kollegen und dem Anspruch der dort vorstellig werdenden Notfall- bzw. ungeplanten Patienten ein praxisorientiertes Konzept für ein optimiertes Management in der ZNA vorzulegen. Dabei sollte die Zusatzbezeichnung eine solide Basis und Perspektive für die Kolleginnen und Kollegen darstellen, die sich für eine längerfristige Tätigkeit in der Notaufnahme interessieren und diese vor möglichen weiteren Entwicklungen nicht ausgrenzen. Neben dem grundsätzlichen Anspruch auf eine hochqualifizierte (notfall-) medizinische Patientenversorgung in der ZNA, sollte das Konzept auch auf andere Fachbereiche übertragbar sein bzw. die Möglichkeit bieten, mit den anderen Fachgesellschaften gemeinsam weiterentwickelt zu werden.
Neben der Festlegung des Eintrittskriteriums, d.h. der bis zur Tätigkeit in der ZNA notwendigen klinischen Erfahrung, unterscheidet das Konzept - ähnlich der Fakultativen Weiterbildung „Spezielle Anästhesiologische Intensivmedizin“ – eine während der Weiterbildung absolvierbare und auf diese anrechenbare Phase 1 und eine nach erfolgter Facharztprüfung zusätzlich zu absolvierende Phase 2. Die genauen Details sind aktuell Gegenstand der Diskussion.

Ausblick

Der durch die AG Notaufnahme des wissenschaftlichen Arbeitskreises Notfallmedizin der DGAI vorgestellte Entwurf einer „Zusatzqualifikation Notaufnahme“ könnte die Grundlage der durch die deutschen Fachgesellschaften gemeinsam geforderte Mindestqualifikation für ärztliches Personal in der ZNA und eine notwendige Zusatzqualifikationen für die Leitungsfunktion regeln. Den wachsenden Ansprüchen und zunehmenden Anforderungen an die Patientenversorgung in zentralen Notaufnahmen könnte entsprechend Rechnung getragen werden. Auch vor dem Hintergrund des Weiterbildungsangebotes in anderen europäischen Ländern könnten interessierten Ärztinnen und Ärzten auch in Deutschland so wesentliche Grundlagen als Basis vermittelt und damit die Attraktivität des  Arbeitsplatzes Notaufnahme weiter deutlich erhöht werden [5].
 
Die Präsidien der DGAI und des BDAs haben im November 2010 dem durch die AG Notaufnahme des wissenschaftlichen Arbeitskreises Notfallmedizin vorgelegten Konzept zugestimmt und den Auftrag an die AG, dieses weiterzuentwickeln, bestätigt. Zusammen mit anderen Vorschlägen wurde der Entwurf der AG Zentrale Notaufnahme des wiss. Arbeitskreises Notfallmedizin im Rahmen der präsidialen „Abstimmungsgespräche zur Qualifikation des ärztlichen Personals in der ZNA“ der Deutschen Fachgesellschaften im Januar in Berlin vorgestellt. Die hier vorgestellten Konzepte wurden im Februar 2011 wiederum von der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Notaufnahme der deutschen Fachgesellschaften erörtert und aktuell weiterentwickelt. Die Einbindung weiterer Gesellschaften und Gremien ist geplant und bei entsprechend weiterhin sehr positiver und dynamischer interdisziplinärer Zusammenarbeit erscheint die Vorlage eines gemeinsamen Konzeptes für eine Zusatzweiterbildung noch in diesem Jahr nicht ausgeschlossen.
Somit könnte eine durch die deutschen Fachgesellschaften gemeinsam strukturierte Zusatzweiterbildung für die Kolleginnen und Kollegen in den Notaufnahmen die Patientenversorgung in der ZNA zukünftig weiter verbessern aber auch die Zufriedenheit des hier eingesetzten Personals schon bald deutlich erhöhen.

Literatur
 

  1. Bischoff A (2008) Facharzt für Notfallmedizin gefordert. Dtsch Ärztebl 41: A2132
  2. Christ M, Dodt C, Geldner G et al. (2010) Professionalisierung der klinischen Notfallmedizin. Gegenwart und Zukunft. Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 45: 666-671
  3. Gries A (2010) Zentrale interdisziplinäre Notaufnahme. Aktueller Stand aus anästhesiologischer Sicht. Anesth Intensivmed 51: 338-345
  4. Gries A, Arntz HR, Lackner CK, Seekamp A, Altemeyer KH (2010) Facharzt für Notfallmedizin - Pro und contra. Notfall Rettungsmed 13: 469-474
  5. Gries A, Michel A, Bernhard M, Martin J (2011) Personalplanung in der zentralen Notaufnahme. Optimierte Patientenverfügung rund um die Uhr. Anästhesist 60:71-78
  6. Gries A, Seekamp A, Welte T et al. (2010) Zentral und interdisziplinär. Dtsch Ärztebl 107:A268-269
  7. Moecke H, Lackner CK, Altemeyer KH (2007) „No way back“ Die zentrale Notaufnahme setzt sich in deutschen Krankenhäusern durch! Notfall Rettungsmed 10: 321-322
  8. Stürmer KM. Gemeinsame Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) (2007). Zur Problematik zentraler Notaufnahmen. Med Klinik 102: 180-181

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